Neurologische Diagnostik in der Praxis: Die Techniken

Elektroenzephalographie (EEG)

Dauer ca. 20 Min. Im Sitzen wird Ihnen eine Haube mit befeuchteten Elektroden auf dem Kopf befestigt. Das Gerät zeichnet die „elektrische“ Aktivität der Hirnrinde auf. Diese Routineuntersuchung ist weder gefährlich noch schmerzhaft. Gönnen Sie sich die 2 Min. Ruhe, sehr gerne auch ein Schläfchen: Handy ablegen, Hände auf den Schoß, Augen geschlossen. Wenn Sie sich unwohl fühlen, melden Sie sich, wir sind da.

Das EEG gehört seit den 1930er‑Jahren zu den Basisuntersuchungen der Neurologie.

Die Analyse der elektrischen Aktivität der Hirnrinde gibt uns folgende Informationen:

  • Allgemeiner funktioneller Zustand der Hirnrinde (normale oder herabgesetzte Frequenz der Spannungsschwankungen).
  • Regionaler funktioneller Zustand einzelner Hirnareale (frontal = Vorderhirn, temporal = Schläfenlappen, parietal = Scheitellappen, okzipital = Hinterhauptlappen).
  • Detektion epilepsietypischer Veränderungen als Hinweis auf eine Epilepsie.

Breite Indikation bei Beschwerden „zentraler“ Ursache, also Beschwerden, die im Gehirn entstehen, z. B. Kopfschmerzen, Schwindel oder Gedächtnisstörungen.

Elektroneurographie (ENG)

Die Elektroneurographie gehört seit rund 100 Jahren zu den Basisuntersuchungen der Neurologie. Nerven werden an Armen, Beinen oder im Gesicht mit kurzen (in der Regel nicht schmerzhaften) Stromimpulsen gereizt.

Der elektrische Reiz eines motorischen Nervs führt zu einer kurzen Anspannung der Muskelfaser, für die der Nerv zuständig ist. Gemessen werden u. a. die Zeit zwischen Impuls und Muskelanspannung („Latenz“), die Amplitude sowie die segmentale Leitgeschwindigkeit. Das gibt Hinweise auf Funktion und mögliche lokale Schäden.

Der Reiz sensibler Nerven wird in den zugehörigen peripheren Hautarealen empfunden. Auch hier messen wir Amplitude der Antwort und die Geschwindigkeit der Impulsfortleitung.

Verwendet wird diese Technik u. a. bei in die Gliedmaßen ausstrahlenden Rückenschmerzen, Taubheitsgefühl der Hände oder Füße, Schwäche der Arme oder Beine sowie Gangstörungen.

Elektromyographie (EMG)

Hier wird mittels Nadel- oder Oberflächenelektroden die Funktion von Muskelfasern innerhalb eines Muskels untersucht. Die Nadel‑EMG ist manchmal etwas unangenehm, wird aber sehr kurz und schonend gehalten.

Diese Untersuchung gibt uns u. a. folgende Informationen:

  • Vorhandensein einer Willkürrestaktivität als Hinweis auf eine nicht vollständige Durchtrennung eines Nervs (z. B. nach Trauma/Entzündung).
  • Vorhandensein einer „spontanen“ elektrischen Aktivität als Hinweis auf eine akute Denervierung.
  • Dichte der Willküraktivität und Rekrutierungsmuster als Hinweis auf Ausmaß akuter oder chronischer Schädigungen des motorischen Nervs.
  • Qualitative und quantitative Analyse motorischer Einheiten zur Unterscheidung zwischen Erkrankung der Muskelfaser selbst (Myopathie) und Erkrankung der Nervenfaser (Neuropathie, Nervenwurzelschäden), die sie innerviert.
  • Frühe Erkennung und Quantifizierung von Reinnervationspotenzialen als Hinweis auf Nervenwachstum und zur Prognoseabschätzung.

Somatosensibel evozierte Potenziale (SSEP)

Hier wird die gesamte Strecke eines Impulses zwischen einem peripheren Nerv und der zugehörigen Hirnrinde gemessen (somatosensorische Rinde, parietal). Sehr dünne (Akupunktur‑)Nadelelektroden werden an der Kopfhaut befestigt; zusätzlich erfolgt eine nicht schmerzhafte Stromstimulation an einem peripheren Nerv (Handgelenk oder Fußgelenk).

Diese Untersuchung liefert Informationen vor allem über die Funktion peripherer Nerven, der Nervenwurzeln und des Rückenmarks.

Visuell evozierte Potenziale (VEP)

Hier wird die gesamte Strecke zwischen der Netzhaut und der Hirnrinde (okzipitaler Kortex) gemessen. Der standardisierte visuelle Reiz entsteht durch ein wechselndes Schachbrettmuster am Monitor. Auch hier werden sehr dünne Nadeln verwendet, deren Stich Sie kaum merken.

Diese Untersuchung gibt Informationen vor allem über die Funktion der Sehnerven.

Akustisch evozierte Potenziale (AEP)

Hier wird die gesamte Strecke zwischen der Endung des Hörnerven (Nervus acusticus) und der temporalen Hirnrinde gemessen. Der standardisierte akustische Reiz (Geräusch) entsteht im Kopfhörer. Auch hier werden sehr dünne Nadeln verwendet.

Diese Untersuchung gibt Informationen vor allem über die Funktion des Hörnervs.

Doppler- und Duplexsonographie der hirnversorgenden Arterien

Diese Untersuchungen werden sowohl von kardiologischen als auch von neurologischen Fachärzten angeboten. Mittels Ultraschall werden die Strömungsverhältnisse in den Halsarterien (Carotis und Vertebralis) sowie in hirnversorgenden Arterien beurteilt.

Die Untersuchung ist vollkommen schmerzlos und wird u. a. bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen des Gehirns eingesetzt.

Lumbalpunktion (Liquor- bzw. „Nervenwasser“-Untersuchung)

Hier wird Liquor („Nervenwasser“) durch einen Stich mit einer sehr (!) dünnen, nicht einmal spitzen Nadel zwischen zwei Lendenwirbelkörpern gewonnen. Diese in der Neurologie seit etwa 130 Jahren praktizierte Routineuntersuchung ist in der Regel sehr harmlos. Sie ist bei Verdacht auf eine entzündliche neurologische Erkrankung unentbehrlich.

Trotz lokaler Anästhesie kann ein lokaler Schmerz während oder unmittelbar nach der Punktion nicht vollständig ausgeschlossen werden. Diese Punktionen werden freundlicherweise von unseren Anästhesie‑Kollegen der Praxisklinik im zweiten Stock des Medi‑IN‑Parks durchgeführt. Dort genießen Sie neben der hohen Routine der Kollegen ein exklusives Ambiente.

Rechnen Sie mit 2–3 Stunden Gesamtzeitaufwand. Bei etwa einem von fünf Patienten kann es zu Kopfschmerzen nach der Punktion kommen, die 1 bis 5 Tage anhalten können. In diesem Fall melden Sie sich.

Bei Schmerzen legen Sie sich zu Hause flach hin und nehmen Sie, falls internistisch vertretbar (siehe Kapitel: Schmerzmittel), Paracetamol, Ibuprofen oder Novaminsulfon ein. Bei fehlender Besserung und selbstverständlich bei Tendenz zur Verschlechterung melden Sie sich unverzüglich.

Komplikationen sind extrem selten.